Johannes Scheffler arbeitet als interner SAP-Berater für Bongrain und beschreibt für den karriereführer das Leben und Arbeiten in seiner Wahlheimat Paris.
Aus: Karriereführer Hochschulen 2.2009
Fast immer Baguette
Johannes Scheffler arbeitet für den französischen Käsehersteller Bongrain und beschreibt für den karriereführer das Leben und Arbeiten in Paris. Der 30-Jährige hat hier vor einem halben Jahr seine Wahlheimat gefunden.
Ein frisches Baguette in Paris aufzutreiben, sollte nicht allzu große Schwierigkeiten bereiten. Dies ist richtig – bis auf einen Monat im Jahr. Denn im August ist alles anders, wenn sich ganz Frankreich kollektiv im Urlaub befindet und die nächste offene Bäckerei einen längeren Fußmarsch entfernt ist. Das ist eine meiner Erfahrungen, die ich in den ersten sechs Monaten seit meinem Umzug in den Großraum Paris gemacht habe.
Ein Leben in Frankreich stand bei meiner Berufsplanung anfangs überhaupt nicht auf dem Programm. Während meines Studiums der „Europäischen Wirtschaft“ an der Universität Bamberg hatte ich mich auf die Fremdsprachen Englisch und Italienisch konzentriert. Das Schicksal sorgte dann allerdings für einen Berufseinstieg als Trainee im Supply Chain Management bei Bongrain Deutschland in Wiesbaden, einer Tochtergesellschaft des französischen Käseproduzenten Bongrain. Vor einem halben Jahr übernahm ich schließlich meine neue Stelle als interner SAP-Berater in der Firmenzentrale bei Paris. In dieser Funktion betreue ich europaweit SAP-Projekte im Supply-Chain-Bereich.
Nach der schwierigen Phase der Wohnungssuche und einem herzlichen Empfang durch meine neuen Kollegen konnte ich den Arbeitsalltag in Frankreich entdecken, wobei ich durch meine deutsch-französischen Erfahrungen aus der Niederlassung in Wiesbaden bestens vorbereitet war.
Ein typischer Arbeitstag beginnt etwas später als in Deutschland, erstreckt sich aber dafür auch weiter in die Abendstunden. Der Freitag ist ein normaler Arbeitstag. Mit einem Beginn des Wochenendes am frühen Nachmittag, wie es in Deutschland oft üblich ist, stößt man in Frankreich auf Unverständnis. Allgemein herrscht ein hohes kommunikatives Miteinander. Die Mittagspause ist hierbei eine wichtige Institution. Das gemeinsame Essen mit Kollegen hat einen großen Stellenwert, auch weil dabei viele Informationen ausgetauscht werden. Dafür lässt man sich die nötige Zeit, sodass auch der Genuss nicht zu kurz kommt. Ebenso mögen die Umgangsformen einem Deutschen etwas aufwendig erscheinen. Bis jedem Kollegen die Hand gegeben oder jede Kollegin mit einem Wangenkuss bedacht ist, vergehen einige Momente, die aber für die Herstellung einer guten Arbeitsatmosphäre unverzichtbar sind. Am Monatsende ist die Freude erst einmal groß, da der Lohnzettel wesentlich attraktiver aussieht als in Deutschland. Dies liegt aber daran, dass in Frankreich die Lohnsteuer nicht direkt vom Gehalt abgezogen wird. Die Rechnung vom Finanzamt kommt dann zu Beginn des darauffolgenden Jahres. Auch ist das Preisniveau insbesondere für Miete und Nahrungsmittel höher als in Deutschland.
In der Freizeit ist das Leben in und bei Paris sehr spannend, konzentriert sich doch das wirtschaftliche, politische und kulturelle Geschehen Frankreichs auf seine Hauptstadt. Das Angebot an Aktivitäten ist reichhaltig und die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren bis auf die sporadischen Streiktage sehr gut – außer im Monat August!
Informationen
Die Bongrain Gruppe Deutschland ist mit insgesamt 750 Mitarbeitern der Marktführer im Bereich Käsespezialitäten und -marken in Deutschland. Sie gehört zur französischen Bongrain SA, die in 29 Ländern aktiv ist, 17.700 Mitarbeiter beschäftigt und 2008 einen Umsatz von rund 3,6 Milliarden Euro erzielte.



